Richard Schur – SOUNDS OF LIGHT | 24.02.-13.04.2018

Richard Schur (*1971) lebt und arbeitet in München.

Für die Ravensburger Einzelausstellung „SOUNDS OF LIGHT“ sind eine Vielzahl neuer Arbeiten entstanden, die wir mit großer Freude in unseren historischen Räumen präsentieren.

Es ist mehr der Raum als die Farbe, was den Maler Richard Schur reizt. In seinen Bildern komponiert er konstruktiv und zugleich hoch poetisch Linien und Flächen. „Ich male sehr intuitiv, fast nie kalkulierend und ich korrigiere nie, sondern reagiere mit neuen Entscheidungen“, so der Maler. Als er sich in den Nuller-Jahren als „Abstrakter“ behauptete, bildete er eher eine Ausnahme und war einer, der einen eigenen Weg einschlug und sich nicht vom großen Trend der Figuration beeinflussen ließ.

Heute, so Richard Schur, gebe es wieder mehrere Vertreter der abstrakten Malerei, doch seine Malerei ist längst etabliert und in zahlreichen nationalen und internationalen Sammlungen vertreten.
In Schurs neuen Wandobjekten wagt er die Erweiterung des malerischen Raums in den realen Raum, worin er seine Vorstellung vom „offenen Bild“ konsequent weiter entwickelt.

Auszug aus der Eröffnungsrede von Dr. Martin Mäntele, Ulm:
„Ein zentraler Aspekt jeglicher abstrakt-konkreter Malerei bezieht sich auf das Verhältnis von Figur und Grund. Vor dieser Frage stehen Künstlerinnen und Künstler immer wieder; und immer wieder haben sie diese neu beantwortet.
Mit der Abkehr von einer Malerei, die Landschaften, Tiere, Pflanzen oder Gegenstände aller Art in realistischer, wenn nicht gar naturalistischer Weise auf der Leinwand festhalten wollte und mit der damit einhergehenden Konzentration auf Formen und Farben entsteht die Frage nach dem Verhältnis von Figur und Grund.
Malt der Künstler also ein Quadrat auf einen farbigen Grund, stellt sich letztlich die Frage, was ist vorne und was ist hinten? Steht das Quadrat als Figur vor dem farbigen Hintergrund? Oder liegt das Quadrat vielmehr in der Bildtiefe, eingerahmt von einem andersfarbigen quadratischen Rahmen? Oder sind alle Teile „gleichberechtigt“ und stehen somit auf einer räumlichen Ebene?
Richard Schur ist viel zu klug, um diese Fragen in seinen Gemälden eindeutig zu beantworten. Das wäre letztlich auch für den Betrachtenden vermutlich fade und langweilig.

Vielmehr erzeugt Richard Schur durch das Schichten und Gruppieren seiner Bildelemente, individuelle Zentren. Er stellt verdichtete Gruppen in Kontrast zu eher lockeren Ensemblen, seien es Flächen, Balken, oder andere Bildelemente. Diese sind im Übrigen immer nur rechtwinklig oder gerade, es gibt keine Kreisformen in seinen hier ausgestellten Bildern.
So wie es wohl kaum so etwas wie absolute Stille gibt, so gibt es in diesen Bildern keine Leere. Dort wo Farbe ist, ist Farbe. Dort wo Leinwand ist, ist Leinwand. Doch worin unterscheiden sich diese beiden Flächenqualitäten?
Die freie Leinwand ist so etwas, wie ein Anzeiger, ein Indikator, für den Bildraum, also die räumlichen Gegebenheiten im Bild selbst.
Weiter zurück, als bis zur freien Leinwand, kann Schur den Bildraum nicht führen.“