Waschkau Detlef

Die Stadtmotive von Detlef Waschkau sind groß und größer, es zieht ihn in echte Mega-Cities, wo der Berliner Künstler in das große Nichts eintaucht und sich in den Sog und Rausch der Großstadt begibt.

Detlef Waschkau (*1961) stammt aus Hannover und studierte an der Hochschule der Künste Bildende Kunst Berlin Bildhauerei, war dort Meisterschüler und Stipendiat der Stiftung Kulturfonds. Mit seinen Werken ist er international in Einzel- und Gruppenausstellungen und regelmäßig auf Kunstmessen vertreten.

Waschkaus Großstadtkunst entsteht übrigens in einem absoluten Hinterhof-Idyll mitten in Charlottenburg. Hier entwickelt er seine Werke, die oft und gerne auch die Landesgrenzen hinter sich lassen. Genauso wie der Künstler selbst. Er liebe es, absolut fremd zu sein, sich auf Neues einzulassen und sich nicht innerhalb fester Strukturen bewegen zu müssen, so der Künstler.
Während seiner zahlreichen Reisen und während längerer Studienaufenthalte in den USA, in Japan, China und Europa versuchte Waschkau immer, in den Fluss des Lebens jener fremden Großstädte einzutauchen, sich treiben zu lassen und diese Eindrücke dann im Nachgang in seine Kunstwerke einfließen zu lassen. Waschkau legt stets sein besonderes Augenmerk auf die Architektur und auf die Dynamik des Stadtraums, aber auch die Menschen in der Stadt sind ein großes Thema seines Werkes.
Was vom Künstler zunächst vor Ort durch Fotografien und Skizzen festgehalten wird, bietet später im Atelier die Grundlage für ein Œuvre, das die Themen „Stadt und Mensch“ und „Stadt als Bühne“ beinhaltet.

Menschen wie Waschkau setzen natürlich die durch Corona verhängten Reisebestimmungen extrem zu, denn plötzlich sind wir wieder von Landesgrenzen umgeben und in unserer Freiheit beschnitten, spontan das nächste Flugticket zu buchen und die Welt zu bereisen.

Die Arbeiten des Berliner Künstlers haben Stefanie Büchele und mich auf Anhieb begeistert, so dass wir schnell den Kontakt zu ihm suchten und ihn für eine Ausstellung in unsere Galerie im Herbst 2018 einluden. In der Begeisterung für seine Kunst waren (und sind) wir allerdings nicht allein, denn Waschkaus Arbeiten hängen u.a. im dt. Generalkonsulat in New York, ebenso zögerte das Auswärtige Amt in Berlin nicht mit Ankäufen. Auch unser Bundespräsident lebt übrigens mit Kunst von Detlef Waschkau.

Waschkaus Markenzeichen sind seine Holzreliefs, die zunächst durchaus irritierend wirken, denn glaubt man auf den ersten, schnellen Blick, vor Holzschnitt-Druckplatten zu stehen. Diesen neuen Ansatz von Reliefkunst entwickelte der Bildhauer aus der Idee heraus, innerhalb seiner Arbeit nicht mehr Skizze und Kunstwerk voneinander zu trennen, sondern den Bildentstehungsprozess sichtbar zu machen und konzeptuell in seine Werke einzubauen.

Detlef Waschkau arbeitet hierfür mit Schichtholzplatten, die er vorsichtig mit Hammer und Stechbeitel um einzelne Ebenen (2-9 Schichten!) reduziert und parallel dazu seine Malerei im Holz und auf dem Holz entwickelt. Die Entstehung dieser Kunst ist wirklich sehr komplex, aber auf den ersten Blick sehen wir zunächst faszinierende Motive, Stadträume, Menschen in der Stadt usw..
Der Künstler lässt uns in seinen Holzbildern und in seinen Papierarbeiten eintauchen in besondere Orte und er lässt uns teilhaben an dieser von ihm neu konstruierten Welt. Wir verlassen beim Betrachten dieser Kunst sehr schnell den passiven Status und tauchen aktiv in Waschkaus Bildräume ein. Denn der Berliner Künstler zeigt uns ganz andere, nämlich SEINE, „Bilder einer Großstadt“, deren erzählerische Qualität außerordentlich ist. So kommt man vor seinen Kunstwerken schnell miteinander ins Gespräch, zumal auch die Perspektivwechsel beim Betrachten eine erhebliche Rolle spielen und wiederum neue Entdeckungen einzelner Bilder im Bild offenbaren.

Wer urbane Szenen liebt, dürfte sich an dieser Kunst kaum satt sehen können. Aber Waschkaus Bilder liefern eben noch mehr als beeindruckende Motive, denn die Technik seiner Werke ist von handwerklicher und künstlerischer Seite absolut großartig. Die Beweglichkeit der einzelnen Bildebenen gibt dieser Kunst eine ganz besondere Note und ein echtes Alleinstellungsmerkmal.
Detlef Waschkaus Kunst ist ein „must have“ für alle Großstadtmenschen oder für solche, die – wie wir Ravensburger – in der Provinz leben und sich manchmal nach urbanen Räumen sehnen.
Wer jetzt nicht reisen kann, könnte sich mit einem Waschkau an der Wand trösten, es gibt auf alle Fälle schlechtere Alternativen für uns Daheimgebliebene!

© Andrea Dreher, Juli 2020