8 FRAUEN

Ausstellungsdauer 14.08.-26.09.2018

Ausstellung mit Arbeiten von Katharina Arndt (Berlin) | Karin Brosa (Essen) | Sabine Dehnel (Berlin) | Silvia Jung-Wiesenmayer (Opfenbach, Allgäu) | Susanne Kraisser (Bad Belzig) Kathrin Landa (Berlin) | Bettina Sellmann (Berlin) | Judith Zaugg (Bern)

In der Sommerausstellung präsentiert die Galerie 21.06 acht zeitgenössische Künstlerinnen und geht der Frage nach, inwieweit das Atelier-Umfeld Einfluss auf das künstlerische Werk nimmt. Exemplarisch für ihre oberschwäbische Heimat stehen Karin Brosa und Kathrin Landa, sie sind in Tettnang und Ravensburg aufgewachsen, leben und arbeiten aber in Essen und Berlin.

Die in Berlin lebende Katharina Arndt hat in Braunschweig bei John Armleder studiert und ihre grellen Lackstift-Zeichnungen sorgen nicht nur in unserer Ravensburger Galerie für Furore. Diese Zeichenkunst mit Lackstift ist zwar vordergründig schrill und laut, weil die Künstlerin bevorzugt Motive aus der Welt von Horror, Science-Fiction, Glamour, viel Sex Appeal und TV verarbeitet, aber sie ist handwerklich sehr solide und leise, denn jeder Strich muss sitzen, Korrekturen sind bei dieser Zeichentechnik tabu.

Karin Brosa stammt ursprünglich aus Tettnang, hat zunächst erfolgreich Pharmazie studiert und sich erst danach für ein Kunststudium an der Akademie in Stuttgart beworben. Seit 2015 leitet sie die druckgraphische Werkstatt an der Universität Duisburg-Essen und ist eine wirklich Koryphäe in Sachen Graphik! Allein die handwerkliche Qualität ist brillant, denn Karin Brosa jongliert mit den Mitteln der Graphikkunst wie kaum eine andere. Karin Brosas Bildwelten sind mal surrealistisch, mal witzig, mal abstoßend, aber immer faszinierend. Sie entwirft ganz eigene Geschichten, sie kommentiert den Alltag neu, sie schafft skurrile Situationen und setzt dabei mit jedem Motiv einen individuellen Marker.

Auch die aus der Schweizer Hauptstadt Bern stammende Judith Zaugg nimmt mit künstlerischem Blick den Alltag unter die Lupe. Bereits in den 1990ern schuf sie einen unverwechselbaren Illustrationsstil, der ihr u.a. zu einem Stipendien-Jahr an der Akademie Solitude in Stuttgart verhalf. Zahlreiche Preise folgten in den Jahren, außerdem stellte Zaugg mehrfach beim internationalen Comixfestival „fumetto“ in Luzern aus. Es sind ihre Charaktere, die sie bekannt und begehrt gemacht haben, denn Zauggs hybride Figuren sind extrem eigenwillig.

Sabine Dehnel hat im Anschluss an ihr Meisterschüler-Studium an der Kunstakademie Mainz ein Los Angeles-Stipendium erhalten und dort im Anschluss einige Jahre gelebt und wählte danach als neuen deutschen Standort Berlin. Ihre Werke wurden von verschiedenen Sammlungen angekauft und ihren ersten Auftritt in Ravensburg hatte sie bereits bei der Columbus Art Foundation. Das haptische Arbeiten mit menschlichen Körpern ist ein Leitmotiv im Werk dieser Künstlerin, und besonders stark sind ihre Arbeiten, wenn sie sich intensiv fokussiert, wie beispielswiese in der fast schon legendären „Dekolleté“-Serie ihrer weiblichen Idole oder auch in der neuen Serie STARS.

Bettina Sellmann hat an der Städelschule in Frankruft studiert, lebte u.a. ein Jahrzehnt in Brooklyn und schaffte es früh, mit einer Arbeit in der Sammlung des MoMA vertreten zu sein. Heute lebt sie in Berlin. Sellmanns Bildern wohnt immer ein gewisser Zauber inne. Vermeintlich skizzenhaft und gleichzeitig hoch konzentriert setzt die Malerin ihre Figuren ins Bild. Farbe und Form spielen in ihrem Werk stets eine entscheidende Rolle, deren größtes Ziel es ist, „Freiheit“ in uns Betrachtern auszulösen. Bettina Sellmann ist gedanklich immer in Bewegung und ihre Malerei ist von einem performativen Grundgedanken getragen, der weit über das Thema Leinwand und Pinselduktus hinausgeht. Mit „so wenig wie es gerade noch geht“ (Zitat der Künstlerin) will sie maximal gut sein! So lautet der Anspruch dieser sehr ehrgeizigen Künstlerin, deren Werk in zahlreichen Gruppen- und Einzelausstellungen und in verschiedenen privaten und öffentlichen Sammlungen vertreten ist.

Kathrin Landas Portraits gehen unter die Haut, sie zeigen uns mehr als wir sehen und sie künden von einer sehr intensiven Auseinandersetzung der Malerin mit ihrem Modell. Landas Gesichter sind außergewöhnlich, wir bleiben unweigerlich an ihnen haften und reagieren empathisch auf die Bilder der Dargestellten. Oft erfolgt der erste Blickkontakt über die Augen, deren Ausführung meisterhaft ist. In ihrer Malerei fordert die in Berlin lebende Malerin den Schönheits-Kanon des beginnenden 21. Jahrhunderts heraus, der oft genug in banalen „likes“ und „castings“ endet. Ihr Diplom- und Meisterschülerstudium hat sie an der Hochschule für Grafik und Buchkunst Leipzig absolviert und dort natürlich auch die starken Jahre der Figuration der viel gerühmten „Leipziger Schule“ begleitet und im künstlerischen Alltag miterlebt. Ihre Arbeiten sind in zahlreichen Ausstellungen und Sammlungen vertreten.

Die Künstlerin Susanne Kraißer modelliert Körper, am liebsten Frauen, gerne nackte … und im Fokus ihres Interesses liegt immer das Verhältnis von Körper und Raum! Zunächst zur Holzbildhauerin ausgebildet, hat Susanne Kraißer Freie Bildhauerei in Nürnberg und danach Freie Kunst in Hamburg studiert. Längst wird sie auch außerhalb Deutschlands ausgestellt und gesammelt, aktuell kann man eine Einzelausstellung von ihr in Eutin im Ostholstein-Museum besuchen. Es gehe ihr in den Bronzeobjekten vor allem um die Perspektive, so die Bildhauerin. Bezogen auf die menschlichen Körper heißt das z.B.: was bedeutet ein Arm oder ein angewinkeltes Bein aus räumlicher Sicht? Was macht der Raum aus der Figur und was macht die Figur mit dem Raum? Der Themenschwerpunkt Kraißers liegt eindeutig auf der weiblichen Figur, denn in der Darstellung ihrer Frauenkörper will die Bildhauerin Polaritäten ausloten, wie Labilität und Stärke, Bewegung und Statik oder Anspannung und Entspannung.

Die Allgäuer Bildhauerin Silvia Jung-Wiesenmayer hatte zunächst eine Steinmetzlehre absolviert und sich erst in einem späteren Schritt für das Studium der Bildhauerei an der Akademie der Bildenden Künste in Stuttgart entschieden und dieses erfolgreich abgeschlossen. Erst mit 37 Jahren startete sie ein Leben als freie Künstlerin und war von der ersten Stunde an auf dem Kunstmarkt präsent. Schnell und konsequent schaffte es die Bildhauerin, einen eigenen Formen-Kanon zu entwickeln. Dieser besteht aus den Eckpunkten Geometrie, organische Form und Proportion. Sie lotet in jeder ihrer Arbeiten diesen Kanon aus, mal geht sie in die Vertikale, mal dominiert das Quadrat, oder sie betont eine Rundung. Jung-Wiesenmayers Skulpturen sind poetisch elegant, sie reagieren auf Licht und Schatten und haben eine unglaublich positive Ausstrahlung.

Silvia Jung-Wiesenmayer lebt nach eigener Aussage in einer Gegend der feinen Stoffe. Es ist eine ländliche Gegend, wo sich früher unverheiratete Frauen in sogenannten Lichtstuben zur Handarbeit trafen, um neue Muster für ihre Aussteuer zu entwerfen. In diesen Stuben und an vielen anderen Orten im Allgäu hat man sich über die Jahrhunderte Geschichten erzählt, die niemals niedergeschrieben wurden. Silvia Jung-Wiesenmayer stöbert daher seit längerem auf Flohmärkten und in Trödelläden gezielt nach Häkeldecken, deren Herstellerinnen unbekannt sind. Sie überträgt diese alten Handarbeiten in zeitgenössische Wandobjekte, was zur Folge hat, dass das Ornament ganz neu bewertet und in einen abstrakten Kontext gesetzt wird. So schafft die Bildhauerin in ihren Kunstwerken eine Bildsprache, deren Betrachtung sich aus der Überlagerung von alten und neuen Ge-Schichten zusammensetzt und darin neue Denk- und Wahrnehmungsmuster generiert. Die bildkünstlerische Strategie von Silvia Jung-Wiesenmayer beruht auf der steten Wiederholung einzelner Motive und auf der fragilen Schönheit ihrer Objekte.

(Text: Andrea Dreher)

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