Bitte ganz konkret!

Bitte ganz konkret!

Juni 2024

Ich möchte heute an meine Ankündigung vom Januar anknüpfen, eine weitere Redewendung aufgreifen und diese mit der Kunst abgleichen.

Wenn wir jemandem um eine konkrete Antwort bitten, so fordern wir Präzision ein. Konkrete Fakten sind messbar, prüfbar, sind zuverlässig und eindeutig.

Was aber versteht man unter "konkreter Kunst"?

Der Begriff "Konkrete Kunst" wurde 1924 von Theo von Doesburg eingeführt und 1930 in einem Manifest bei der Gründung der Gruppe "Art concret"programmatisch festgelegt. Ein Auszug aus dem Manifest liest sich wie folgt:

"Das Kunstwerk muß(!) im Geist vollständig konzipiert und gestaltet sein, bevor es ausgeführt wird. Es darf nichts von den formalen Gegebenheiten der Natur, der Sinne und der Gefühle enthalten. Wir wollen Lyrismus, Dramatik, Symbolik usf. ausschalten. Das Bild muß(!) ausschließlich aus plastischen Elementen konstruiert werden, d. h. aus Flächen und Farben. Ein Bildelement hat keine andere Bedeutung als sich selbst....Denn wir haben die Zeit des Suchens und der spekulativen Experimente hinter uns gelassen. Auf der Suche nach der Reinheit waren die Künstler gezwungen, die Naturform zu zerstören. Heute ist die Idee der Kunstform ebenso veraltet wie die Idee der Naturform.Wir sehen die Zeit der reinen Malerei voraus. Denn nichts ist konkreter, wirklicher, als eine Linie, eine Farbe, eine Oberfläche... Konkrete und nicht abstrakte Malerei. Denn der Geist hat den Zustand der Reife erreicht. Er braucht klare, intellektuelle Mittel, um sich auf konkrete Art zu manifestieren."

Soweit die Theorie und die Kunstgeschichte. In der Praxis wird Konkrete Kunst gerne auch als konstruktiv-abstrakte Kunst bezeichnet, denn hier gibt es klare Überschneidungen. 

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https://galerie2106.de/blogs/blog/bitte-ganz-konkret

Fördert Kunst im Unternehmen die Unternehmenskultur?

Fördert Kunst im Unternehmen die Unternehmenskultur?

Mai 2024

Das Unternehmen Endress + Hauser präsentiert am Standort Nesselwang im Allgäu jährlich wechselnde Ausstellungen mit Künstlerinnen und Künstlern der Region. Für 2024-25 wurde Irmi Obermeyer ausgewählt, deren Werke seit dem 7. Mai mit dem Titel "KUNST IM FOYER" für alle sichtbar über drei Etagen im Hauptgebäude hängen und sozusagen den betrieblichen Alltag "verändern".

Die Künstlerin hatte mich um eine Laudatio gebeten, aus der ich hier einen kleinen Auszug zitiere:

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Warum Druckgraphik?

Warum Druckgraphik?

April 2024

In der aktuellen Ausstellung "BLICKWECHSEL" zeige ich Malerei von Isa Dahl und Druckgraphik von Karin Brosa. 

Druckgraphik klingt für viele Menschen eher abschreckend, weil zu technisch, denn um sie zu verstehen, muss man sich mit den druckgraphischen Techniken wie Hochdruck, Tiefdruck, Flachdruck etc. auskennen, muss sich mit dem Prinzip der Auflagenkunst und allen möglichen Kürzeln vertraut machen, die auf den Papieren stehen usw..

Man kann, aber man muss nicht. Man kann auch nur entdecken und begreifen, dass hinter jeder Druckgraphik zunächst ein großes zeichnerisches Talent steckt, dass also Künstler:innen wie z.B. Karin Brosa zunächst eine klassische Zeichnung entwickeln, welche sie dann zur Grundlage für z.B. eine Radierung nehmen, welche dann seitenverkehrt gedacht werden muss und mit viel Wissen und Erfahrung von Hand durch die Druckerpresse gedreht wird.

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Für mehr Toleranz

Für mehr Toleranz

Februar 2024

Deutschland kommt in Bewegung, Menschen gehen auf die Straße und demonstrieren friedlich GEGEN RECHTS, das ist wichtig.

Heute, am 1. Februar lädt das Aktionsbündnis "Oberschwaben IST BUNT" nach Ravensburg ein und erweitert u.a. die digitale Menschenkette. Wir alle können uns einmischen, wir alle können aufstehen, wir alle können Farbe bekennen ... und wir müssen es. Egal wo wir leben, wir müssen unsere Demokratie verteidigen.

Schweigen ist keine Lösung.

Auch Kunst kann Toleranz fördern, behaupte ich seit Jahren, und meine damit nicht explizit politische Kunst. Denn Kunst ist für eine Mehrheit der Bevölkerung FREMD und vor Fremdem schützt man sich gerne.

Abb.  Barbara Reck-Irmler, Wandobjekt

Wer sich auf Fremdes einlässt und Fremdes zulässt, muss tolerant sein, muss sich öffnen, muss weg vom schnellen "JA", "NEIN", "kenne ich", "mag ich nicht".

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Im Bilde sein

Im Bilde sein

Januar 2024

Ich möchte das neue Jahr zum Anlass nehmen, um in den kommenden Monaten ein paar Redewendungen näher in Augenschein zu nehmen, die zunächst vielleicht nichts mit Kunst zu tun haben, uns aber dennoch zur Kunst führen können.

Es wird also kleine Rückblicke und Querverweise in die Kunstgeschichte geben, es wird um Alltagsfloskeln gehen. Lassen wir uns überraschen, das Jahr ist noch jung.

Die Idee zu dieser Reihe kam mir nach meinem Vortrag im Cafe Eulenspiegel in Wasserburg am Bodensee, den ich "Das kleine ABC der Kunstgeschichte" genannt und am vergangenen Sonntag vor ca. 20 interessierten Personen gehalten hatte.

Sind wir gebildet, wenn wir viele Bilder gesehen haben?

"Ich bin im Bilde" … heißt, dass ich verstanden habe.

Bildmotiv: Roland Stratmann Levity

"Ich mache mir ein Bild von der Situation" bedeutet, dass ich mich eingehender mit etwas beschäftige.

Wir wissen, wie prägend unsere ersten zehn Lebensjahre sind.

In den ersten 6 Lebensjahren verständigen wir uns über Bilder, das haben wir alle getan, egal welche Bildungsschicht, egal welche Nationalität.

Wir waren alle Bildermenschen, bevor wir Wortmenschen wurden, wir haben die Welt erst über Bilderbücher kennengelernt und erst danach selbst gelesen und dabei auf die Bilder verzichtet. Wir haben erst gezeichnet und gemalt, bevor wir schreiben konnten und wollten.

Die moderne Gesellschaft flutet uns mit Bildern, wir schauen fern, wir googeln, wir sind auf instagram, wir knipsen eigene Fotos, jede:r ist inzwischen ein Bildermacher und eine Bilderkonsumentin, und doch ist die Berührungsangst mit der Bildenden Kunst NICHT geschrumpft.

Woran liegt das?

Zunächst ein Blick zurück.

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Julius Weiland Ausstellung Berlin

Museum oder Galerie? Was zählt mehr?

Dezember 2023

Die Welt der Kunst für viele Außenstehende ein Buch mit Sieben Siegeln. Was zählt, wer bestimmt, wie orientiere ich mich, wie unterstütze ich Künstlerinnen und Künstler, was kann ich als Laie tun, um die Kunst "am Laufen" zu halten? Fragen wie diese werden oft gedacht, aber viel zu selten ausgesprochen. Denn viele haben Angst, sich in Sachen KUNST zu blamieren.

Heute will ich exemplarisch je eine Ausstellung eines Künstlers und einer Künstlerin der Galerie herausgreifen, um ein wenig Licht ins Dunkel zu bringen.

Die Rede ist von der Berliner Malerin Kathrin Landa mit oberschwäbischen Wurzeln und von Julius Weiland, einem Berliner Künstler mit Lübecker Wurzeln. Kunstwerke der beiden wurden und werden bereits seit Jahren regelmäßig in unserer Galerie 21.06 ausgestellt und auch über die Galerie verkauft.

Kathrin Landa stellt derzeit in der Städtischen Galerie Badstube in Wangen im Allgäu aus und Julius Weiland im Kunstgewerbemuseum Berlin.

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Kati Elm Galerie 21.06 Ravensburg

Schenken und beschenkt werden: KATI ELM macht's möglich

November 2023

Wir nähern uns wieder einmal der Advents- und Weihnachtszeit, die Terminkalender verdichten sich, diverse "Weihnachtsessen" stehen bald an. Viele von uns "haben doch eigentlich alles" und wollen spenden anstatt zu schenken.

Das ist sicherlich sehr gut, denn es gibt leider unzählige Menschen auf dieser Welt, die unsere Hilfe brauchen, denn die Krisenherde und Kriege weiten sich aus.

Aber es gibt auch Momente, in denen wir unseren Nächsten, vielleicht aber auch unseren Kolleg:innen eine persönliche Freude machen und ihnen ein Lächeln, Schmunzeln ins Gesicht zaubern wollen.

Mit den kleinen Kati-Elm-Holzobjekten liegen Sie nie falsch, das garantiere ich Ihnen. Kati Elm lebt heute in Wien und betreibt dort ihr Atelier, aufgewachsen ist sie jedoch in Jena, später lebte sie in Köln und Berlin. Zunächst war die studierte Modedesignerin ganz auf Muster und Stoffe fokussiert, weitete aber echt schnell ihren Blick und testete neue Materialien.

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Discover Germany mit dem "Hardedge-Expressionisten" Richard Schur

Discover Germany mit dem "Hardedge-Expressionisten" Richard Schur

Oktober 2023

Deutschland, das sog. Land der Dichter und Denker, der Tüftler und Erfinder, aber auch das Land der Expressionisten, die vor gut 100 Jahren mit ihrer "unmittelbaren und unverfälschten" Kunst die Welt verändern wollten ... dieses Deutschland erinnert sich heute, am 3. Oktober an die geglückte, unblutige Wiedervereinigung.

Ich persönlich habe die ersten Einheitsjahre in Berlin gelebt und dort Kunstgeschichte studiert, war beim Mauerfall live mit dabei und habe sogar noch den charismatischen Willy Brandt im Wahlkampf 1990 vor dem Rathaus Wedding erlebt, als sein Traum wahr wurde, weil Deutschland beschlossen hatte, wieder zusammen zu wachsen.

Warum diese Deutschland-Hymne, mag sich der eine oder die andere nun fragen?

Als ich vom Magazin "Discover Germany" wegen eines Artikels für die aktuelle Herbstausgabe angeschrieben wurde, beschloss ich spontan, mit dabei zu sein, weil mir die Kultur dieses Landes sehr am Herzen liegt. Mit meiner Galerie 21.06 verstehe ich mich nämlich unbedingt als Adresse für professionelle Kunstvermittlung in der Provinz, denn Deutschland besteht nicht nur aus hippen Großstädten, sondern auch aus attraktiven und sehr lebenswerten Kleinstädten wie Ravensburg.

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Gabi Janker -Dilger Objektmalerei

Gabi Janker-Dilger: Meisterin der Linie im Raum

September 2023

"Nulla dies sine linea" - dieses lateinische Zitat von Plinius wird in Texten über Kunst bis heute oft bemüht, so denke ich dabei z.B. immer spontan an Paul Klee, denn er war ein "Mann der Linie und der Zeichnung".

Was aber, wenn Linien gar nicht gezeichnet, sondern aus Peddigrohr zu Wandobjekten geformt werden? Was, wenn geformte Objekt-Linien wieder aufs Papier gelegt werden, um mit Malerei zu interagieren?

Die Ravensburger Künstlerin Gabi Janker-Dilger ist immer in Bewegung. Ihre Kunst spiegelt ihre Gedanken und ihr Leben - alles dreht sich um Energie, um Raum, um Mikro- und Makrokosmos und vor allem um Neuland. weiter lesen ...

Elis Vermeiren und die drei K der Frau

Elis Vermeiren und die drei K der Frau

August 2023

Endlich sind auch in Baden-Württemberg Sommerferien - für Kinder ein JUHU, für Eltern ein TO DO ...

Die Malerin Elis Vermeiren und ihr Mann, ein freier Kinderbuchillustrator, leben und arbeiten zusammen mit ihren sechs Kindern und dem Hund abgeschieden in einem kleinen Weiler zwischen Horgenzell und Wilhelmsdorf in Oberschwaben.

Sie habe sich von der letzten Zwillingsgeburt sechs Jahre erholen müssen, sagte mir die zierliche Elis Vermeiren bei meinem Atelierbesuch, aber jetzt habe sie wieder die Kraft und die innere Ruhe zu malen und ihrem erlernten Beruf nachzugehen. Unter Einsatz von Kopfhörern zieht sie sich nun regelmäßig in ihr Atelier zurück, um mit Farbschüttungen, Übermalungen, Monotypien usw. ihre abstrakten Bildkompositionen zu entwickeln. weiter lesen ...

Ein kleines Plädoyer für künstlerische Frühförderung

Ein kleines Plädoyer für künstlerische Frühförderung

Juli 2023

Wir alle wissen Bescheid, weil wir alle einmal Kinder waren: Kinder sind kreativ, alle Kinder sind Künstler:innen, weil sie sich zunächst in Bildern ausdrücken, bevor sie schreiben lernen, und, ganz wichtig: Kinder wollen ernst genommen werden!

 

Kinder sprechen über Bilder, Kinder lernen Sprache über Bilder, Kinder lieben Bilderbücher, Kinder lieben Bilder, aber Kinder lieben nicht nur kindergerechte Bilder (also Kunstwerke, die wir Erwachsene für kindgerecht erachten), sondern Kinder lieben durchaus "echte Erwachsenenbilder". weiterlesen ...

Andreas Berlin

After The Rain and Never Before: Andreas Berlin

Juni 2023

In der aktuellen Ausgabe der ungarischen Elle Decoration findet sich ein Künstlerporträt über Árpád Forgó, dessen Wandobjekte ich zur Zeit in der Ausstellung "Von Räumen träumen" zeige und dessen Kunst in Ravensburg zeitgleich ihre Süddeutschland-Premiere feiert!

Dieser Hinweis ließ mich sofort an Andreas Berlin denken, den "artist - designer maker", der sich 2016 mit seinem Label "ANDREAS BERLIN" selbstbewusst selbständig gemacht hat und der bereits im Sommer 2019 in der spanischen Elle Decoration ein tolles Künstlerporträt bekam. Ich hatte damals meine Freundin aus Sevilla gebeten, mir einige Exemplare zu schicken, eines davon habe ich noch in meinem Regal liegen.

Andreas Berlin ist in der Tat international erfolgreich, und seine stylishen Vintage-Objekte werden über den Berliner Tellerrand hinaus gesucht und gekauft. weiter lesen ...